Logopädie und Stottern: Definition, Theorie und Therapie

Stottern: Logopädie

Das Monster aus Angst und Flucht vor dem Sprechen lässt sich zähmen. Hilfe ist möglich.

Unzureichende Verbindungen zwischen bestimmten Gehirn-Teilen sind unter anderem Ursache für das Stottern. Beim Stotterer ist ein Teil des Sprachzentrums nur schwach mit dem Broca-Areal im Gehirn verknüpft. Dieses Areal ist für die Muskelbewegungen beim Sprechen zuständig. Es fehlen bis zu 30 % der in diesem Bereich üblichen Nervenverbindungen.

Der Unterschied zwischen einem normal Sprechenden und einem Stotterer lässt sich unter anderem an der Hirnaktivität ablesen. Die lässt sich mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie darstellen.

Das Gehirn eines Stotterers arbeitet anders. In der vorderen linken Hirnhälfte gibt es zu wenig Aktivität in den Sprachzentren. Im Broca-Areal und im Wernicke-Zentrum. Dafür herrscht in der rechten Hirnhälfte mehr Aktivität. Im RFO, im rechten frontalen Operculum. Das RFO versucht also, die Störung auszugleichen.

Man muss bestimmte Übungen regelmäßig machen. Macht man die regelmäßig, wird die linke Hirnhälfte aktiver. Wie bei einem Normalsprecher. Auch das Hörzentrum im Gehirn erhöht dann seine Aktivität.

Durch eine effektive Therapie wird bei einem erwachsenen Stotterer die linke Hirnhälfte nicht "repariert". Es baut sich nur ein neues Netzwerk auf. Das RFO in der rechten Hirnhälfte bleibt aktiver als bei jemandem, der nie gestottert hat.

Dieses neue Netzwerk umfasst die neu aktivierten Sprachzentren (linke Hirnhälfte), das weiterhin aktive RFO (rechte Hirnhälfte) und tief im Hirn liegende Basalganglien.

Hört ein erwachsener Stotterer zu früh mit den Übungen auf, verlagert sich die Aktivität wieder stärker in die rechte Hirnhälfte. Manche ältere Stotterer sollten deshalb bestimmte Übungen lebenslänglich machen.

Höchstwahrscheinlich können Kinder bis zur Pubertät die minder aktiven Regionen in der linken Hirnhälfte (Broca-Areal und Wernicke-Zentrum) reparieren. Dann muss auch das RFO nicht mehr für einen Ausgleich sorgen. Soweit zur Theorie.

Etwa ein Prozent aller Erwachsenen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol stottert. Bei Vorschulkindern sind es vorübergehend etwa fünf Prozent. Das sind die offiziellen Zahlen aus der Logopädie, die ich für zu hoch halte.

Es gibt eine genetische Veranlagung zum Stottern. Jungen sind etwa viermal so häufig betroffen wie Mädchen.

Trotzdem ist Stottern kein Schicksal.

Bei vielen Betroffenen verschwindet die Störung ja auch im Laufe der Entwicklung. Auch für erwachsene Stotterer gibt es eine gute Nachricht:

Stottern lässt sich auf Dauer vermeiden.

Die Definition und Unterscheidung in tonisches und klonisches Stottern ist nur für die Logopädie, Medizin und Sprachheilpädagogik interessant. Sie spielt für die Art der Behandlung keine Rolle.

Wir betrachten das Stottern und seine Ursachen unter verschiedenen Aspekten. Das beschreiben wir so einfach wie möglich.

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