Ursachen und Behandlung des Stotterns

Man wird mit der Veranlagung zum Stottern geboren. Die Ursachen liegen überwiegend in der Genetik. Umstände und Erziehung spielen bei der Entstehung des Stotterns fast keine Rolle.

Beginnt ein Kind nach einer traumatischen Erfahrung mit dem Stottern, liegt der Grund dafür in seiner genetischen Disposition und nicht im Trauma.

Die Definition und Einteilung in klonisches und tonisches Stottern ist für den Erfolg der Behandlung unwichtig.

Die meisten Kinder, die anfangen zu stottern, entwickeln unbewusst eine Anpassungsstrategie. Mit dieser Strategie überwinden sie das Stottern bis zur Pubertät.

Bleibt das Stottern darüber hinaus hartnäckig, hilft nur eine gezielte, gehirngerechte Therapie.

Basis des Erfolgs ist ein regelmäßiges effektives Training. Die Psychologie spielt nur eine wichtige Nebenrolle.

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Für die, die sich in das Thema vertiefen wollen, wird es jetzt ein bisschen historisch und philosophisch. Aber ich schreibe so einfach wie möglich.

Stottern ist ein kompliziertes Phänomen. Deshalb kann man bei der Behandlung nicht in jedem Fall das Rad neu erfinden. Man kann aber auch vorhandene Methoden nicht eins zu eins übernehmen.

Stottertherapeutische Methoden sind auch den Strömungen des Zeitgeistes unterworfen. Manchmal sind sie eher falsch als richtig, aber dennoch in Mode. Zur Zeit ist die Behandlung nach Charles Van Riper in Mode. Logisch begründbar ist das nicht.

Manche Therapien verleiten Stotterer dazu, sich mit ihrer Sprachstörung zu arrangieren. Sie sollen sie einfach entspannt hinnehmen und akzeptieren. Aus dieser Entspannung soll sich eine Verbesserung ergeben. Diese Einstellung mag bei einem jugendlichen Stotterer kurzfristig die Stimmung heben. Spätestens im reiferen Lebensalter erweist sich das aber als Lebenslüge.

Manche Verfahren sind unnötig aufwändig und verführen eher zu einer künstlichen und gedehnten Sprechweise. Nicht zu einer natürlichen. Die rein sprechtechnisch ausgerichteten Methoden führen oft nur zu kurzfristigen Erfolgen und schmerzhaften Rückfällen. Das ist mittlerweile bekannt. Allerdings darf man diese Methoden nicht einfach ignorieren. Man findet hier durchaus richtige Ansätze.

Bei psychologischen Methoden der Stottertherapie muss man noch misstrauischer sein als bei sprechtechnischen. Sogar Sigmund Freud war der Meinung, dass man seine Psychoanalyse nicht bei Stottern anwenden könne. Trotzdem verwenden manche Psychotherapeuten, die mit Stotterern arbeiten, noch immer psychoanalytische Verfahren.

Hilfreicher ist in diesem Bereich die Individualpsychologie von Alfred Adler. Sie wurde später von Theo Schoenaker in der Stottertherapie angewandt. Diese Theorie kann man aber auch nicht eins zu eins übernehmen. Man muss sie auf ihre ideologischen Bestandteile überprüfen. So war für Adler ein Stotterer so etwas wie der Prototyp eines Neurotikers. Das ist nicht nur eine versteckte Beleidigung für alle Stotterer. Diese Theorie ist nach heutigen Erkenntnissen eher falsch. Zumindest bei erwachsenen Stotterern. Dort trifft sie nur selten zu. Bei Kindern ist sie etwas häufiger richtig.

Neuroanatomie und Psyche eines Stotterers kann man nicht getrennt voneinander betrachten. Natürlich liefert die funktionelle Magnetresonanz-Tomographie heute Erkenntnisse, die man vor wenigen Jahren noch nicht hatte. Die darf man nicht ignorieren. Doch hier fehlt das logische "missing link" zwischen Geist und Materie. Die Erkenntnisse der Neuroanatomie sind in sich logisch. Die psychologischen Gesetze des Stotterns sind auch in sich logisch. Trotzdem gibt es oft keine logische Verbindung zwischen Neuroanatomie und Psychologie des Stotterns.

Ein ähnliches Dilemma wie zwischen Relativitätstheorie (Albert Einstein) und Quantenmechanik (Werner Heisenberg). Beide Theorien der Physik sind in sich logisch, aber ohne logische Verbindung untereinander. Wie befreit man sich aus diesem Dilemma? Man akzeptiert, dass es unterschiedliche Teile der Wirklichkeit gibt. Dass die Wahrheit letztendlich nicht zu finden ist. Man benutzt die besten Verfahren aus beiden Teilen gleichzeitig und akzeptiert den logischen Bruch. Wer den Film "Shakespeare in Love" gesehen hat, weiß wovon ich rede. Wir sehen hier einen stark stotternden Schauspieler, bei dem innerhalb von Sekunden ein Schalter umgelegt wird. Er spricht dann plötzlich wunderbar fließend.

Ein Phänomen, das nicht so selten auftritt wie manche glauben. Angenommen, man könnte den Stotterer in diesem Augenblick in eine Röhre legen. Die Magnetresonanztomographie würde dann ganz andere Daten liefern. Das würde den Neuroanatomen verblüffen. Er würde den Schalter dann weiterhin im Gehirn suchen und ihn nicht finden. Finden kann er ihn dann nur in der Psyche. Aber dort kann er ihn mit seinen Instrumenten nicht suchen.

Die Ursachen des Stotterns liegen in einer genetischen Dispostion, die sich auch neuroanatomisch auswirkt. Trotzdem lässt sich diese Dispostion korrigieren.

Das Stottern äußert sich auch psychosomatisch.

Wie viele andere Störungen. Von der Depression über den Tinnitus bis zur Migräne.

Die wissenschaftlichen und theoretischen Hintergründe meiner Methode sind eine Mischung aus unterschiedlichen Erkenntnissen. Ich habe vom fünften Lebensjahr bis weit ins Erwachsenenalter hinein stark gestottert. Mich über Jahrzehnte mit dem Stottern auseinandergesetzt. Die theoretische Quintessenz dieser Jahrzehnte lässt sich an dieser Stelle nicht zusammenfassen.

Entscheidend ist aber nicht die Definition. Auch nicht die Theorie oder die Einteilung in klonisches oder tonisches Stottern. Entscheidend ist nur die erfolgreiche Behandlung des Stotterns in der Praxis. Für mich ist es wichtig, die Praxis so einfach und alltagstauglich wie möglich zu gestalten.

Das Therapie-Programm besteht aus einem neuntägigen Intensivkurs und jeweils zweitägigen Auffrischungskursen. Alle Auffrischungskurse sind kostenlos. Sie können so oft kommen, wie sie wollen.

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© 2012 Stottern vermeiden - Stottertherapie - Rolf Hahn