In der logopädischen Ausbildung ist diese Sprachstörung eher ein Randgebiet. Logopäden haben es in der Klink oder Praxis meist mit anderen umfangreichen und vielfältigen Aufgaben zu tun.

Mit der vorherrschenden Ansicht über das Stottern in der logopädischen Ausbildung kann und will ich mich nicht anfreunden. Dort wird mir zuviel davon geredet, dass man das Problem akzeptieren und entspannter damit umgehen soll. Das ist unnötig.

Der Unterschied eines Stotterers zu einem normal Sprechenden lässt sich unter anderem an der Hirnaktivität ablesen. Die lässt sich mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie darstellen.

Das Gehirn eines Stotterers arbeitet anders. In der vorderen linken Hirnhälfte gibt es zu wenig Aktivität in den Sprachzentren. Im Broca-Areal und im Wernicke-Zentrum. Dafür herrscht in der rechten Hirnhälfte mehr Aktivität. Im RFO, im rechten frontalen Operculum. Das RFO versucht, die Störung auszugleichen.

Man muss bestimmte Übungen regelmäßig machen. Macht man die nach der Therapie regelmäßig, wird die linke Hirnhälfte aktiver. Wie bei einem Normalsprecher. Auch das Hörzentrum im Gehirn erhöht dann seine Aktivität.

Durch eine effektive Stottertherapie wird bei einem erwachsenen Stotterer die linke Hirnhälfte nicht "repariert". Es baut sich nur ein neues Netzwerk auf. Das RFO in der rechten Hirnhälfte bleibt aktiver als bei jemandem, der nie gestottert hat.

Dieses neue Netzwerk umfasst die neu aktivierten Sprachzentren (linke Hirnhälfte), das weiterhin aktive RFO (rechte Hirnhälfte) und tief im Hirn liegende Basalganglien.

Hört ein erwachsener Stotterer zu früh mit den Übungen auf, verlagert sich die Aktivität wieder stärker in die rechte Hirnhälfte. Manche ältere Betroffene sollten deshalb bestimmte Übungen lebenslänglich machen. Nicht täglich, aber hin und wieder.

Etwa ein Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sollen angeblich stottern. Bei Vorschulkindern sind es vorübergehend etwa fünf Prozent. Das sind die offiziellen Zahlen aus der Logopädie, die ich für zu hoch halte.

Es gibt für diese Sprachstörung eine genetische Veranlagung. Jungen sind etwa viermal so häufig betroffen wie Mädchen.

Trotzdem ist Stottern kein Schicksal. Bei vielen Betroffenen verschwindet die Störung ja auch im Laufe der Entwicklung. Auch für Erwachsene gibt es eine gute Nachricht: Stottern lässt sich auf Dauer vermeiden.

Die Definition und Unterscheidung in tonisches und klonisches Stottern ist nur in der Theorie und für die Logopädie interessant. Sie spielt für die Art der Behandlung keine Rolle.

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